Punkte in der Statistik

Ich bin immer ein bisschen verliebt, wenn ich jemanden kennenlerne, der oder die aus der Norm ausbricht. Wir sind alle Punkte in der Statistik, aber manche Leute sind interessantere Punkte. 

 

Frauen mit kurzen Haaren, Männer mit Familienname ihrer Frau, Gewichtheberinnen, Poledancer, E-Auto-Fahrer*innen(*):

 

Wenn ich so eine Missachtung von Geschlechterklischees oder anderen Normalitäten sehe, interpretiere ich das einerseits als Zeichen für außergewöhnlichen Mut.
Wir sind als "Herdentiere" extrem auf Anpassung an die Gruppe gepolt. Sich darüber hinweg zu setzen zeigt Charakterstärke.

Das zweite, was ich hineininterpretiere, ist klares Denken: über die eigenen Werte und Ziele, was zu einem passt und was nicht, was man gut findet, und was nicht.
Klares Denken und Entscheiden, den eigenen Weg gehen, ungehindert vom vorherrschenden Dogma. 
Das Dogma bestimmt was "man" tut oder nicht tut, wie "man" aussieht oder nicht aussieht. 

Wer sich gegen eine Anpassung an das Klischee entscheidet, setzt einen Punkt in der Statistik außerhalb der größten Häufung.
Und vergrößert damit ein kleines bisschen das Feld, was "normal" ist - und auch, was "ok" ist. 

Gerade Kinder und Jugendliche sind so verzweifelt bemüht sich unter Aufgabe ihrer selbst anzupassen, dass in den meisten Bereichen ein breiteres Feld nur gesund für die Gesellschaft sein kann.

Es ist eine ganz einfache Möglichkeit, wie wir, auch wenn wir sonst nichts beitragen können, trotzdem Einfluss auf die Welt nehmen können:
Indem wir uns bei jeder Gelegenheit bewusst entscheiden unseren Werten zu folgen und die Statistik zu verschieben in Richtung einer Gesellschaft, wie wir sie uns wünschen.

Jeder Punkt in der Statistik ist gleich wertvoll, es gibt keine großen und kleinen Punkte. Aber es gibt Punkte, die in der Masse verschwinden - und es gibt Punkte, die herausstechen. 

Vor einer Weile hat eine Freundin zu mir gesagt: Hannah, du bist die einzige, die ich kenne, die wirklich konsequent ihre Ideale in die Tat umsetzt: Zum Beispiel habe ich statt einem Samsung ein Fairphone, kaufe statt H&M bei Waschbär oder Hessnatur, und zwar so wenig wie möglich. Ich war überrascht, dass sie das so sieht, denn natürlich schaffe ich das, entgegen ihrem Eindruck, nicht wirklich in allen Bereichen und natürlich nie perfekt. Aber ich habe mich auch gefreut, dass sie es sieht. Ich gebe mir Mühe als ein kleiner Punkt in der Statistik zu zeigen, dass mir Nachhaltigkeit wichtig ist.

Genauso war es mir sehr wichtig, die Elternkarenz gerecht aufzuteilen - und ich bin meinem Mann heute noch unglaublich dankbar für die zwei interessanten Punkte, die er für mich in der Statistik gesetzt hat: er trägt seit unserer Hochzeit meinen Familiennamen (mir kommen heute noch die Freudentränen, wenn ich mich an den Moment am Standesamt erinnere, wo er mich damit überrascht hat) und er war tatsächlich 8 Monate zuhause (und als erster in seiner Abteilung überhaupt in Elternkarenz). 

Das sind aber alles kleine Beispiele aus dem Privatleben.

So richtig begeistert bin ich, wenn ich jemanden wie Sophie Wirth kennenlerne (siehe u.a. Personal FLOW), die ein Unternehmen gegründet hat um mit ihrer sustainable Sportswear der zerstörerischen Fast-Fashion den Kampf anzusagen. 
Weil sie selbst nachhaltige Sportswear kaufen wollte. 
Und keine finden konnte. 
Also hat sie beschlossen es eben selbst zu machen. 

Ihre Marke Fitico Sportswear trägt heute mit jedem verkauften und produzierten Teil zur Reinigung der Meere und der Verbreitung fairer Arbeitsbedingungen bei.

Das ist ein kleiner Punkt mit wirklich weitreichender Wirkung!

(*) E-Auto-Fahrer*innen werden ja zunehmend Mainstream. Aber sie sind gerade noch ungewöhnlich genug, dass ich mich noch jedes Mal freue. Das liegt vor allem an einer Sache: Sie verpesten im Vorbeifahren meine Atemluft nicht. Dafür bin ich jedesmal dankbar.

 Wo haben Sie schon mal einen interessanten Punkt in der Statistik gesetzt? 

 Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören: 

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